Ob man Kekse mag oder nicht, dieser Hinweis muss sein.
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Lebenseinstellung
#21
Dass es noch viel zu früh ist für Beileid, das wünsch ich euch!
Ich beneide Dich sehr um Deine Einstellung.

Immer wieder sage ich: Wir sollten das Leben nicht zu ernst nehmen, denn wir kommen hier eh nicht lebend raus...

Andererseits ist das Leben dazu da um es zu gestalten.

Das sag ich MIR. Ich hatte bis vorletzte Woche einen sehr belastenden Tiefpunkt. Den hab ich anscheinend überwunden. Darin war mein Liebster mir eine große Stütze.
Da denke ich:
Wenn das Leben außer sich selbst noch einen weiteren Sinn hat, dann wohl der, dass man zum einen lernt und zum anderen Freude hat.

Liebe Grüße
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#22
Hallo Nina,

das hört sich ja alles nicht so toll an.
Ich bin selbst vor 9 Jahren durch die Erkrankung aus meinem Leben gerissen worden und in den letzten 9 Monaten sind meine Schwester und mein Vater erkrankt an der selben Herzerkrankung. Dazu ist mein Cousin mit 30 Jahren plötzlich daran verstorben.
Mein Vater ist auch teils sehr wehleidig...denkt er muss einen alles erklären wie schlimm das doch ist und bedenkt nicht, dass sein Sohn das alles schon durchgemacht hat und nie gejammert hat.
Aber man nimmt das so hin und versucht nur zu helfen. Das irgendwann die Luft raus ist, kann ich wirklich gut verstehen. Ich finde es auch gut, dass jemand in seinem (Deine Freundin) Umkreis den Mut hatte, ihm die Meinung zu geigen.
Überhaupt denke ich, dass es teilweise für die engen Angehörigen schwerer sein kann als für den eigentlichen Betroffenen. Aber darum sorgt sich keiner!
Das ist auch der Punkt, wo ich Menschen nicht verstehen kann, dann offensichtlich in Selbstmitleid versinken und ihr ganzes Umfeld damit belasten.
Ja,es geht einem schlecht, wann wird aus seinem Leben gerissen. Man muss Medikamente schlucken, hat eine "unsichere" Zunkunft, ließt in jeder Broschüre im Wartezimmer, man hätte nur noch 5 Jahre zu leben usw. man hat einfach Angst! Man hat plötzlich Angst vor dem sterben, sieht keine Zukunft mehr...warum sollte man noch Träume undLebensmut haben-das ist einfach so. Der eine geht damit natürlich viel relaxter um als der andere!
Aber das alles ist kein Grund oder vieleicht ist es gerade ein Grund seine Familie nicht zu belasten. "Die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein".

Ich kenne euch nicht und kann nur sagen wie ich handeln würde und es ja auch derzeit mache. Ich bringe ganz viel Verständnis auf, unterstütze wo ich kann. Schlucke Situationen in denen man ausflippen könnte, herunter. Wenn es aber garnicht mehr geht und sich die Wut aufstaut, finde ich, dass man drchaus auch mal ein Streitgespräch führen kann und dem Gegenüber klar macht, wie sehr es einen selbst belastet bzw. wie er dich durch sein Verhalten belastet - körperlich wie auch emotional. Solange der gesundheitliche Zustand das zulässt, kann man ruhig auch mal dem Betroffenden die Meinung sagen. Ist ähnlich wie bei einer Schwangerschaft-man ist nicht krank und muss sich nun schonen, man bekommt nur ein Kind. Das ist keine Krankhet. Mit dem Unterschied, dass die Schwangerschaft vorübergeht.

Ich wünsche dir, dass du stark bleibst, ihm auch mal die Meinung sagst und einem Streit aus Nachsicht nicht aus dem Wege gehst. Wie soll das sonst besser werden. Huh

Alles Liebe und melde dich immer mal wieder Smile
Alex
Linksventrikuläre Herzinsuffiziens seit 2008 8% Ef und seit 2020 48% EF - Defiträger

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#23
Hallo Alex,

Danke für Deine Antwort und dass Du so aufgeschlossen schilderst wie Du damit umgehst. Ich kann das nun noch besser nachvollziehen. Der eine geht so um damit und der andere so. Manchmal wechselt es auch bei ein und derselben Person. Bei meinem Freund zeigt sich auch, dass er nicht weinen kann. Er will doch den Starken spielen.
Mir ist ganz klar, dass er auf jeden Fall auch jemand Starken an seiner Seite braucht. Mich halten immer alle für stark, aber ich bin es nicht. Oft genug breche ich ein, denn auch für Angehörige ist es eine Herausforderung - und das Thema heißt Verlustangst.
Ja, ich habe Angst davor ihn zu verlieren. Sonst wäre ja auch irgendwas auf Gefühlswegen nicht in Ordnung... Aber ich muss so aufpassen, dass ich ihn damit nicht belaste. Wir reden zwar immer mal darüber, aber es bringt ihn auf die Palme - schon allein wenn ich nichts sage und einfach betroffen und nachdenklich bin im ersten Moment wenn was Beunruhigendes ist (jetzt hat er z. B. Blutdruckprobleme, Einblutungen am Auge, Schmerzen unterm Brustbein... ) Er erwartet anscheinend, dass ich fröhlich und gelassen ein anderes Thema anfange...? Denn Fragen stellen darf ich dann auch auf keinen Fall, das regt ihn nur auf.

Stellt Dir jemand Fragen? Dann wenn es Dir mal nicht gut geht?
Wenn ja, empfindest Du das als belästigend oder gar belastend, antworten zu müssen auf Befindensfragen und die einfache Frage "Willst du zum Arzt gehen oder ins Krankenhaus?"

Ich mache mir schon Sorgen um ihn und er denkt, ich müsse doch klar kommen damit.

Er KANN aber nicht mein Trauma nachvollziehen - dass ich ihn so lange von außen so kaputt und im Koma erlebt habe und lange Zeit danach noch heulen musste wenn ich ihn nur liegend oder schlafend gesehen habe. Inzwischen habe ich an diesen Bildern gearbeitet und diesen Ballast weniger, doch es ist eben jeden Tag eine neue Herausforderung, sich auf diese Art Zusammenleben einzulassen.
Ich würde ihn deswegen nie verlassen, und das weiß und spürt er. Ich bin wie ein treuer Hund. Smile
Aber um ihm eine Stütze zu sein und seine wiedergewonnene Lebenszeit so angenehm wie möglich mit ihm zu gestalten - denn es ist ja auch meine eigene Lebenszeit - muss ich jeden Morgen von vorn anfangen. Und er sowieso, das ist mir klar.

Mir ist auch bewusst, dass ein schwer kranker Mensch noch viele Jahre vor sich haben kann. Andersrum kann ein gesundes Menschenleben plötzlich ein Ende haben. JEDER muss sich damit auseinandersetzen. Es wird nur tabuisiert, weil wir in dieser Gesellschaft so tun als würden wir ewig leben und als käme es nhr auf das Funktionieren an.
Jemand aus einem buddhistischen Kulturkreis sagte mir einmal letztes Jahr:
"Du hast jetzt schon diese Lernaufgabe, die die meisten anderen Frauen erst am Ende ihres Lebens bewältigen müssen: den Partner begleiten in Krankheit und bis zum letzten Tag. Du erlebst das alles in deinen jungen Jahren und sehr bewusst. Das ist eine Art Privileg, so kannst du es nutzen. Du kannst dadurch stark werden und vielleicht anderen, die auch in so einer Situation sind und sich hilflos fühlen, Kraft geben."
Ich habe viel nachgedacht darüber. Erst dachte ich "na toll."
Aber dann begriff ich immer mehr, dass der Mann Recht hat, auch wenn man das mal weiter betrachtet und allgemein bezieht auf alle, sowohl Kranke als auch Angehörige:
Es kann tatsächlich ein Privileg sein, in dieser Bewusstheit zu leben. Das Leben ist nunmal endlich. Das gilt für ALLE.
Schwierig ist nur, mit diesem Bewusstsein in einer Gesellschaft zu leben, wo Kranksein immer ein Defizit ist. Wir kennen es nicht anders, sind so geprägt.

Gestern sagte mir nochmal eine liebe Person, es sei doch das Wichtigste, dass mein Freund wieder lebt.
Das wusch mit einer Klarheit durch mein Hirn alle Zweifel und alles Lamentieren weg... Sie hat Recht, die gute Frau. Ja, es ist das Wichtigste, dass er lebt.

Klopf klopf - macht es da vom Hinterstübchen her und ruft: ja, aber was ist dann das Wichtigste wenn das nicht mehr so ist?
- Halt die Klappe! Jeder Tag ist schließlich anders.

Kannst Du mit irgendwem darüber sprechen, was DIR Angst macht? Ich vermute mal, in Deiner Familie eher nicht, oder doch?

Mein Freund hat in diesem Leben ganz klar umrissene Ziele, die er noch schaffen will. Mein Haus fertig renovieren. Das ist seine Mission. Ja, auch er will da wohnen... Aber soweit zu denken, dazu muss ich ihn immer wieder erst mal ermutigen.
Ich glaube, er hat mehr Angst davor, mir oder anderen wieder Unannehmlichkeiten zu bereiten und selbst zu leiden als davor, aus dem Leben zu treten. Dazu hätte er sich lieber von sich aus entschlossen, wenn ich nicht wäre, sagt er. Kann ich bei seinem Leidensweg verstehen. Er musste ja alles neu lernen, mühsam, sogar das Atmen.

Liebe Grüße
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#24
Hallo Nina,

Ich glaube, es ist immer schwerer für die Angehörigen. Viele haben mich nach meiner Diagnose gefragt, ob ich Angst habe. Nach einiger Zeit und viel Nachdenken wusste ich eine Antwort: NEIN.......wenn ich sterbe merke ich nichts mehr und somit ist es für mich ok. Meine Kinder und mein Partner sind die Leidtragenden.

Hoffentlich schaffst du es mit der Situation umzugehen ohne daran zu zerbrechen.

Ich wünsche dir alles Gute und sehr viel Kraft!

Liebe Grüße ,
Helge
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