Ob man Kekse mag oder nicht, dieser Hinweis muss sein.
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Durchgangssyndrom
#1
Hallo,

nach einer schweren Operation kommt es ja meist zu einem Durchgangssyndrom.
Hat hier jemand sowas schonmal erlebt? Bei sich oder bei Angehörigen?

Ich erlebe das gerade bei meinem Freund. Eigentlich sind Angehörige in dieser Phase sehr wichtig und geben Orientierung und Geborgenheit. Ich für ihn auch, hoff ich. Aber ich bin über 100km von der Klinik entfernt.
Ich stehe hier und kann nichts tun. Kann nicht jeden Tag hin fahren. Das ist für uns beide schlimm.
Gestern konnte ich nicht bei ihm sein. Da rief er mich an - er hatte darauf bestanden, sein Handy da behalten zu können. Und immer wenn er den Sprechaufsatz auf der Halskanüle hat, will er sich nur noch mitteilen.
Er wollte sogar die Polizei rufen!
Die Pfleger sagten mir, er sei sehr anstrengend, alle paar Minuten hat er was anderes.
Dabei fühlt er sich von ihnen bedroht und hat schlimme Angst. Viele Albträume und surreale Vorstellungen. Er dachte, bei der OP habe man ihm Zeichen auf die Brust geritzt. Und noch viele andere schlimmere Dinge. Manchmal sind auch schöne Bilder dabei.
Er rief mich an und flehte um Hilfe.
Beatmungsgerät und Dialyse lehnt er ab, und er zog sich die Magensonde aus der Nase.
Er fühlt sich extrem ausgeliefert, weil er auch nur begrenzt sprechen kann.

Puh...
Was mach ich mit ihm??
Jeder sagt mir, das geht vorbei...
Das hoffe ich auch.
Aber diese Ängste und Wahnvorstellungen werden ihn wohl noch eine Zeit lang begleiten, oder?
Ich hoffe für ihn, dass er seine Albträume los wird.

Ansonsten ist er klar im Kopf. Er weiß genau, dass ich heute wieder zu ihm komme und auch sein bester Freund. Also ist er nicht ganz durch den Wind. Ein schlechtes Zeitgefühl hatte er aber schon vorher immer.

Man gibt ihm immer wieder Beruhigungsmittel, damit er überhaupt mal schlafen kann. Nur dann ist er tagsüber so benebelt, dass er mit jeder Aktion überfordert ist.

Da er vom Naturell her ein sehr kritischer Mensch ist, dem Vertrauen schwer fällt, hab ich Angst, dass er was von dieser Psychose zurückbehält wenn er das nicht verarbeiten kann...
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#2
Das geht vorbei. Ich habe Dir das ja in Ansätzen vorher gesagt. Ich hab damals alle Schläuche heraus gerissen und Medizinische Geräte die hinter meinem Bett in Halterungen steckten auf den Boden geworfen. Man wollte mich umbringen, und es gab jede Menge Verschwörungen gegen mich. Das man mich schließlich festgebunden hat machte die Sache nicht einfacher.

Alles hatte einen Auslöser in einer wirklich stattgefundenen Sache im Krankenhaus. Nur hat mein Gehirn daraus verworrene Geschichten und Tagträume erschaffen.
Einmal stand ich zusammen mit meinem Patenonkel an Hitlers Grab. Dort war irgendeine Feier im Gange und lauter abstruse Menschen waren anwesend.
Der Auslöser war das mein Patenonkel mich im Krankenhaus besucht hat.

Das wurde erst besser als ich gar keine Medikamente mehr genommen habe.
Ich bekam auch eine Flasche Neuroleptika mit nach Hause, die habe ich aber sofort weggeschmissen.
Das wird bei Deinem Freund schon werden.


Murphy
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#3
Ein bisschen hatte ich auch so etwas nach meiner letzten OP. Allerdings hatte ich mir nur gedacht, dass der Anaesthesist da ja einen gei... Stoff benutzt hatte und habe mir nur die bunten Bilderchen wie Fernsehen angesehen. Sobald ich die Augen öffnete, war klar, wo ich war und warum.
Grüße, Wolle

-------------------------
Meine Gesundheit ist mir zu wichtig, um sie den Ärzten zu überlassen.
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#4
Ja ihr hab es mir gesagt vorher...
Mich hatte die Verzögerung so irritiert, aber auch das scheint typisch zu sein.

Alles hat wohl einen realen Auslöser, und das Gehirn strickt sich die abstrusesten Geschichten, die dann total überzeugend sind - und für Außenstehende der pure Wahnsinn an kriminellem Einfallsreichtum...

Der Arzt sagte, das kommt immer wieder vor. Die Nerven seien eben geschädigt, aber das sei alles umkehrbar.

Mein Freund hatte gestern wieder wunderbar klare Phasen und erzählte über seine Fantasien aus bewusster Sicht. "Schade", meinte er, "diese Farben und Muster waren toll, jetzt vermiss ich die..." Smile
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#5
Etwas ähnliches habe auch ich erlebt.
Allerdings wurde nie herausgefunden, was da genau los war - Durchgangssyndrom war die einzige Idee.


Ich bin in eine Blinddarm Op (Blinddarm war bereits sehr akut entzündet) mit einer Panikattacke hinein gegangen, die auch durch Neuroleptika kaum besser wurde.


Aufgewacht bin ich dann mit einer umso heftigeren Panikattacke - habe gezappelt, hatte Todesangst und war kaum ansprechbar.
Damals nahm ich noch Medikamente gegen mein Adhs ein (wurden nach dem Herzinfarkt sofort abgesetzt)- allerdings hatte ich die erste Attacke ja bereits vor der Op und auch noch bevor ich eine Ritalin Tablette eingenommen hatte, da ich dachte, es würde durch meine Medis vielleicht besser.


Auch mir hat man damals nicht geholfen - im Gegenteil :die Schwestern haben nach der der Op mit Blick auf mein Anamnese Blatt nur zueinander gesagt: "Sieh mal, was die jeden Tag einnimmt-nen Junkie ist sie. Kein Wunder dass sie nicht kooperiert."


Das ist tatsächlich passiert!

Seitdem habe ich tierisch Angst vor Narkosen.
Bald werde ich aber eine erhalten denn mir steht eine Knieoperation bevor. :S :thumbdown:
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#6
Achje da fehlt in Kliniken und Praxen oft das Feingefühl. Was man sich da alles anhören muss!

Natürlich bist Du da medikamentös sehr beeinflusst gewesen. Aber das heißt ja nicht, dass es sich wiederholt. Bestimmt kannst Du das vor der OP nochmal genau abklären? Wechselwirkungen müssen doch bedacht werden.
Viel Erfolg und Glück!
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#7
Dankeschön für deine lieben Worte, Nina _[Bild: smilie_love_047.gif]_
Ja, ein Gespräch mit dem Anästhesisten wird es noch geben!
Trotzdem ist es ziemlich krass, dass man solch eine Klatsche bekommt weil man das Pech hatte, in einem "Schlachthaus" zu landen :cursing: :thumbdown:
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