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Wie geht Ihr damit um??? - clausschr - 08-06-2024

Ich, m 59, sehr sportlich, hab meinen Leben lang Ausdauersport gemacht, Radmarathons gefahren etc.. Jetzt ein bisschen langsamer, aber immer noch Touren von 50-100km mit dem MTB (ohne E). Dazu regelmäßig Fitnesstraining seit mehr als 30 Jahren.
Seit 30 jahren habe ich Bluthochdruck, der aber eingestellt ist.

Vor 20 Jahren hab ich wegen meines anderen Hobbys (Tauchen) ein Herzecho machen lassen. Damals kam raus, dass ich ein vergrößertes herz habe und verdickte Herzwände. Der Kardiologe meinte damals "Sportlerherz".

Aktuell Tauchtauglichkeitsuntersuchung gemacht und mein Hausarzt meinte, da ist was ungewöhnliches im EKG - ab zum Kardiologen.
Nach viel Hin und Her über gute Verbindungen schnell einen Termin beim Chefarzt der Kardiologie bekommen.

Der hat so die Eckdaten abgefragt, hat gesehen, dass mein Cholesterin recht hoch ist.
Auf Nachfrage, ob ich Herzkrankheiten in der Verwandschaft habe, habe ich gesagt, dass mein Vater mit 65 am plötzlichen Herztod gestorben ist.

Darauf der Arzt: Mit den Cholesterinwerten und dem vergrößerten Herz schaffen Sie das nicht.

Jetzt nehme ich seit einer Woche Cholesterinsenker und warte auf den nächsten Arzttermin. Stressecho.

Der Punkt ich merke nichts, gar nichts. Ich habe ja so meine Feierabendrunden, wo ich meine Leistungsfähigkeit checken kann. Meine 50km Runde bin ich in Bestzeit mit Anfang 40 in 2:15 h gefahren. Jetzt fahre ich die entspannt in 2:30. Dabei bleibt mein Pulks absolut im Rahmen, mir gehts gut dabei.

Mein eigentliches Problem ist aber komplizierter. Mein Ziel war immer für meine Familie da zu sein und dafür zu sorgen, dass es allen gut geht. Das hat auch immer geklappt. Und wenn es denn sein soll, dann sind auch alle sehr gut versorgt.

Trotzdem kann ich meiner Frau und meinen Söhnen den Trennungsschmerz nicht abnehmen. Denn wenn es soweit ist, dann tuts ja einen Schlag.

Ich weiß nicht, ob und wie ich mit Ihnen sprechen kann um Ihnen da etwas Last wegzunehmen. Es wird ja hoffentlich nicht heute oder morgen passieren. Aber die Möglichkeit, dass ich meine Rente nicht mehr erlebe ist ja laut Arzt gegeben.

Wir haben ein sehr gutes und enges Verhältnis, ich will Ihnen aber nicht zu früh Sorge bereiten, sie aber auch nicht unvorbereitet lassen.

(Für mich persönlich habe ich kein Problem damit, ein schnelles Ende ist was Feines und ich hatte ein gutes Leben mit einer tollen Familie, Freunden und auch nie finanzielle Sorgen)


- hella - 12-23-2024

Lieber Claus!
Ich finde, dass unsere Gesellschaft sehr schlecht mit dem Thema Tod umgeht. Darum wird das häufig ausgelassen in Gesprächen. Das macht es für alle nur unnötig kompliziert. Sterben werden wir alle, keiner weiß, wann und unter welchen Umständen. Ich finde es wichtig miteinander zu sprechen, was jeder sich wünscht. Wo will man zur Ruhe gebracht werden, welche Musik usw. Der oder die, die übrig bleiben, haben so viele Entscheidungen zu treffen, was man abnehmen kann, nimmt man einander ab. Mit w sitzt du oft im Auto…was wenn es beide erwischen sollte, ist das geklärt? Welche med. Hilfen legt wer ab, ist das festgehalten?
Wir reden hier ab und zu drüber, auch weil wir beide betroffen sind und weil ich schon ganz heikle Zeiten hatte. Und da gibt es viele Fragen, über die man sich austauschen sollte. Und das sollte wirklich jeder tun, egal, wie gesund man ist. Mein Schwager starb letztes Jahr ganz und gar unverhofft: Sportlich, fit, mittleres Alter, erfolgreich, geliebt. Damit hatte niemand gerechnet. Niemand. Er war der Fels in der Brandung.
Darum ist die Frage, wie man damit umgeht, eine Frage, die jeden angeht. Wirklich jeden.
Ich habe vor über 20 Jahren gesagt bekommen, dass 80% die ersten zwei Jahre nach Diagnosestellung nicht überleben. Ich lebe noch und genieße das Leben. Neunzehn Jahre nach Diagnosestellung habe ich Fürbitte gehalten im Trauergottesdienst meines ganz gesunden Schwagers.